29.06.2020

„Die Aufstockung der Anleihe kann kurzfristig als Zwischenfinanzierung dienen“, Clemens Wohlmuth, CFO, Photon Energy N.V.


Die Photon Energy N.V. stockt die 7,75%-Anleihe 2017/22 (ISIN DE000A19MFH4) auf. Das Kapital soll für den Bau von zwei großen Projekten in Ungarn und Australien für das eigene Portfolio verwendet werden. Gemeinsam haben diese Projekte eine Kapazität von 28,7 MWp und würden das Portfolio der Gesellschaft von derzeit 60,6 MWp auf 89,3 MWp nochmals deutlich anwachsen lassen. Deshalb kann die Aufstockung der Anleihe hier kurzfristig als Zwischenfinanzierung dienen, bis Photon Energy mit Banken wie üblich die Projekte nach dem Netzanschluss wieder refinanziert, wie CFO Clemens Wohlmuth im Gespräch mit GREEN BONDS erläutert.

GREEN BONDS:
Sie möchten Ihre Anleihe 2017/22 aufstocken. Wie sollen die zufließenden Mittel verwendet werden?

Wohlmuth: Das ist richtig, wir evaluieren derzeit die Aufstockung unserer 7,75%-Anleihe 2017/2022. Wir werden am Montag (den 29. Juni 2020) im Vorstand darüber beschließen. Die Mittel würden in erster Linie für den Bau von zwei großen Projekten in Ungarn und Australien für unser eigenes Portfolio verwendet werden. Gemeinsam haben diese Projekte eine Kapazität von 28,7 MWp und würden unser Portfolio von derzeit 60,6 MWp auf 89,3 MWp nochmals deutlich anwachsen lassen.

GREEN BONDS: Die Anleihe hat noch eine Restlaufzeit von ca. 2,3 Jahren. Wie lange benötigen Sie, um die Projekte zu realisieren und ans Netz zu bringen?

Wohlmuth: Beide Projekte haben die Baureife erreicht und wir haben bei mit dem Bau Ende Mai und Anfang Juni begonnen. Beide Projekte sollen noch vor Jahresende ans Netz gehen und Strom einspeisen. In unserer ursprünglichen Planung sind wir zunächst nicht davon ausgegangen, dass wir diese beiden Projekte gleichzeitig realisieren werden können. Da wir jedoch seit geraumer Zeit deutlichen Rückenwind vom Markt her spüren, eröffnen sich nunmehr diese beiden attraktiven Opportunitäten gleichzeitig, was natürlich unsere Liquidität auch zeitgleich doppelt beansprucht. Deshalb kann die Aufstockung der Anleihe hier kurzfristig als Zwischenfinanzierung dienen, bis wir mit den Banken wie üblich die Projekte nach dem Netzanschluss wieder refinanzieren.

GREEN BONDS: Wie war Ihre Geschäftsentwicklung im ersten Quartal?

Wohlmuth: Wir waren mit der Geschäftsentwicklung im ersten Quartal sehr zufrieden. Glücklicherweise ist unser Geschäftsmodel kaum von der Coronapandemie betroffen. Wir konnten in dieser außerordentlichen und nie dagewesenen Zeit unser Geschäft nicht nur halten, sondern noch weiter ausbauen! Das zeigt sich in einer Umsatzsteigerung von 26,6% auf 5,3 Mio. Euro und einer EBITDA-Steigerung von 28,9% auf 1,4 Mio. Euro im ersten Quartal im Vergleich zum ersten Quartal des Vorjahres. Wir konnten nicht nur mehr Strom als im Vorjahreszeitraum produzieren, sondern hatten auch höhere Umsätze aus dem Baugeschäft in Australien und dem Wartungsgeschäft in Europa. Darüber hinaus konnten wir in diesem Jahr bis Mai bereits weitere 13 Anlagen mit einer Kapazität von 8,9 MWp in Ungarn ans Netz bringen.

GREEN BONDS: Sie hatten auch Währungsverluste. Was war die Ursache und wie haben sich die Währungen weiterentwickelt?

Wohlmuth:
Die Turbulenzen auf den Finanzmärkten und damit auch auf den Währungsmärkten war sicher das, was uns am meisten, allerdings auch einzigen, im ersten Quartal durch die Coronapandemie betroffen hat. Die generelle Verunsicherung während des Ausbruches der Pandemie hat zu starken Kursschwankungen auf den Aktien-, Anleihen- und auch Währungsmärkten geführt. Davon waren auch die tschechische Krone und der ungarische Forint betroffen. Die Krone hatte im ersten Quartal fast 7,5% gegenüber dem Euro verloren und der Forint 8,9%. Solche außerordentliche Schwankungen hatten wir zuvor noch nie erlebt. Per Ende Mai waren es dann „nur“ mehr 5,9% und 5,5% im Vergleich zum Ende des Jahres 2019. Glücklicherweise sind diese Währungsumrechnungsdifferenzen, die wir im Ergebnis ausweisen, keine realisierten Verluste und auch nicht liquiditätswirksam, sondern nur buchhalterisch. Wir gehen davon aus, dass sich dies bis Jahresende zumindest teilweise auch buchhalterisch wieder ausgleichen wird. Die ersten positiven Effekte sehen wir schon im jetzigen Q2.

GREEN BONDS: Sie sind eine Partnerschaft mit RayGen Rescources eingegangen. Was planen Sie mit RayGen?

Wohlmuth:
Ja, RayGen Resources hat eine ausgesprochen interessante Technologie in Australien entwickelt, die Solarthermie mit Photovoltaik und Energiespeicherung verbindet. Dies scheint vor allem in sonnenreichen Gegenden wie Australien, aber auch Südeuropa, Afrika und Amerika in Off-grid Situationen eine sehr interessante Alternative zu herkömmlichen größeren Photovoltaikanlagen mit Lithium-Ionen-Batterien und Dieselaggregaten zu sein. Wir wollen mit RayGen Resources bei der Entwicklung und dem Bau von Projekten kooperieren und wo es Sinn macht gegebenenfalls auch als Investor Projekte realisieren. Als Teil und Zeichen dieser Partnerschaft haben wir uns auch mit einem kleinen Anteil an RayGen Resources beteiligt.

GREEN BONDS: Wie sind Ihre bondspezifischen Kennzahlen und wie ist die Rückzahlung der Anleihe gesichert?

Wohlmuth:
Wir haben derzeit die Anleihe im Volumen von 37,6 Mio. Euro begeben und überlegen, diese bis auf 45 Mio. Euro aufzustocken. Die Bedingungen für Anleihegläubiger würden natürlich gleich bleiben, das heißt der Kupon von 7,75% und die quartalsweise Auszahlung. Ebenso alle anderen Covenants wie beispielsweise eine bereinigte Eigenkapitalquote von zumindest 25%. Diese lag zum Ende des ersten Quartals bei 30,1%, also klar darüber und das würde auch trotz einer Aufstockung der Anleihe so bleiben. Unser Geschäftsmodell bietet den Anleiheinvestoren tatsächlich ein mehrstufiges Sicherheitsnetz, mit dem die Anleihe getilgt werden kann. Die freien Cashflows aus der Stromproduktion unserer Kraftwerke – und die Kapazitäten wurden und werden ja kurzfristig nochmal deutlich erweitert – decken den ersten Teil der ausstehenden Anleihe ab. Ferner refinanzieren wir ja turnusmäßig auf Projektebene mit den lokalen Banken zu sehr attraktiven Konditionen, sodass hier die ursprünglich als Eigenkapital eingesetzten Anleihemittel wieder an uns zurückfließen. Daneben erhalten wir Zahlungen aus dem Verkauf der baufertigen Projekte aus der australischen Entwicklungspipeline mit Canadian Solar. Weiter wäre vor Ablauf der Anleihe auch eine neue Refinanzierung der Bankkredite der tschechischen und slowakischen Kraftwerke, die zwischen 2023 und 2030 immer noch freie Cashflows generieren, möglich. Oder aber auch eine weitere Anleihe, da unser Anlagenbestand aus heutiger Sicht teilweise noch bis 2044 unter garantierten Einspeisevergütungen Strom produzieren wird. Zuletzt bliebe noch der Verkauf einzelner Kraftwerke aus unserem, da der EK-Wert unseres Portfolios das Anleihevolumen auch deutlich übertrifft – aber glauben Sie mir: Wir verkaufen kein Stück!

Das Interview führte Christian Schiffmacher, https://www.green-bonds.com/
Eckdaten der Photon Energy-Anleihe

Emittent

Photon Energy N.V.

Kupon

7,750% p.a.

Zinszahlung

vierteljährlich

Laufzeit

26.10.2022

ISIN

DE000A19MFH4

Volumen

aktuell 37,6 Mio. Euro

Stückelung

1.000 Euro

Listing

Open Market, Börse Frankfurt

Internet

www.photonenergy.com

 


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