13.02.2020

Fidelity Analystenumfrage: 2020 markiert Zeitenwende für Nachhaltigkeit

ESG schafft es weltweit auf der Unternehmensagenda nach ganz oben, Europa gibt den Ton an, aber auch in China und den USA werden ESG-Themen immer wichtiger


Das Jahr 2020 wird zum “Point of no Return” in Sachen Nachhaltigkeit – zu diesem Schluss kommen die hauseigenen Analysten von Fidelity International in ihrer jährlichen Analystenumfrage. Laut dieser Erhebung entdecken Unternehmen weltweit zunehmend, dass sie nicht nur das Richtige tun, wenn sie Umwelt-, Sozial- und Governance-Faktoren, kurz ESG, berücksichtigten, sondern auch, dass sich ein solches Verhalten wirtschaftlich lohnt.

Rund 90 Prozent der Analysten von Fidelity berichten, dass nahezu alle von ihnen beobachteten Unternehmen ESG-Themen mehr Beachtung schenkten. 2019 gaben dies nur 70 Prozent an. Ausgehend von einem deutlich stärkeren Bewusstsein für den Klimawandel und zunehmenden Unternehmensreformen ist die Veränderung in den meisten Branchen und allen Regionen spürbar. Dazu gehören auch Bereiche, in denen das Interesse an ESG-Themen zuvor zu stagnieren oder erlahmen schien.

Jedes Jahr befragt Fidelity seine Analysten weltweit zur Lage in den von ihnen beobachteten Unternehmen. Anders als viele makroökonomische Untersuchungen misst die Umfrage von Fidelity das Sentiment direkt an der Basis. Dazu werden rund 15.000 Gespräche mit Firmenentscheidern für ein Gesamtbild ausgewertet.

Insgesamt gibt es beim Thema Governance (Unternehmensführung) Verbesserungen, die auf die stärkere Einflussnahme der Investoren weltweit zurückzuführen sind. Weniger Fortschritte haben die Unternehmen jedoch in punkto Diversität in der Vorstandsebene und im Aufsichtsrat gemacht. So berichten die meisten Analysten, dass die Vielfalt in den Führungsgremien ihrer Unternehmen im unteren bis mittleren Bereich liege. Gegenüber dem Vorjahr habe sich in dieser Hinsicht kaum etwas bewegt.

ESG im Aufwind in China ... und den USA
In Europa gewinnen Umwelt-, Sozial- und Governance-Themen schon seit geraumer Zeit weiter an Bedeutung. Einen festen Platz auf der Tagesordnung der Unternehmen haben sie inzwischen aber auch in anderen Regionen wie Asien und dort besonders in China: 80 Prozent der Analysten in China berichten in diesem Jahr über mehr Aufmerksamkeit für ESG-Fragen in einigen bzw. allen ihren Unternehmen. Das ist ein enormer Anstieg gegenüber 63 Prozent in der Umfrage vom letzten Jahr und 33 Prozent im Jahr 2018.

Etwas mehr als 90 Prozent der Analysten, die Kanada und die USA abdecken, geben an, dass ESG-Themen bei einigen oder allen ihren Unternehmen inzwischen einen größeren Stellenwert genießen. 2019 sagten dies lediglich 57 Prozent.

Jenn-Hui Tan, Leiter des Bereichs Verwaltung und Nachhaltigkeit bei Fidelity International, kommentiert: „Das steigende Interesse chinesischer Firmen an Nachhaltigkeitsthemen lässt hoffen. Aus unserer Sicht ist es auf mehrere Faktoren zurückzuführen. So hat sich die Regierung das Thema bessere Unternehmensführung auf die Fahnen geschrieben. Chinesische Firmen wiederum wollen in regenerative Energien investieren, bevor die staatlichen Subventionen gekürzt werden, und Anleger fordern mehr Transparenz in den Lieferketten. Darüber hinaus denken immer mehr Unternehmen im Reich der Mitte über höhere Dividenden für ihre Aktionäre und einen intensiveren Dialog mit ihren Investoren nach, um zusätzliches Kapital anzuziehen.

In den USA hat Washington zwar die Umweltauflagen deutlich gelockert. Dennoch wächst das Interesse an ESG-Themen. Nachhaltigkeit ist wieder auf dem Vormarsch, nachdem sie 2019 in den Hintergrund zu rücken schien. Dafür hat ausgerechnet die amerikanische Lobbyorganisation Business Roundtable mit ihrer Neudefinition des Unternehmenszwecks gesorgt.“

Stimmungsbarometer weltweit immer noch im Positivbereich – aber nur hauchdünn
Die Analysten hatten für 2019 das Ende des synchronen Wachstums und das Ausbleiben einer Rezession richtig vorhergesagt. In ihrer Prognose für dieses Jahr gehen sie von einem nur leicht verbesserten Geschäftsumfeld aus. Zu einer Rezession dürfte es auch in diesem Jahr nicht kommen. Damit sei frühestens im nächsten Jahr zu rechnen. Dafür sollen niedrige Zinsen, der sich erholende Welthandel und der nach wie vor starke Konsum sorgen. Nur 36 Prozent der Analysten gaben an, dass sich ihre Unternehmen auf das Ende des Zyklus vorbereiten. 2019 waren es noch 49 Prozent. Stattdessen wird von einem insgesamt ruhigeren Jahr für die Unternehmen ausgegangen, auch wenn die geopolitischen Risiken anhalten sollten und die Folgen des Coronavirus noch unklar sind.

Fiona O'Neill, stellvertretende Leiterin des Aktien-Researchs bei Fidelity International, kommentiert: „Seit Anfang 2019 haben die Rezessionsängste deutlich nachgelassen. Das gilt vor allem für China, wo lediglich 27 Prozent unserer Analysten angeben, dass sich ihre Unternehmen auf das Ende des Zyklus vorbereiten – ein deutlicher Rückgang nach 70 Prozent im letzten Jahr. Tatsächlich deuten die Umfrageergebnisse zu den Investitionsplänen und die trotz bereits niedriger Arbeitslosigkeit überraschend gestiegenen Einstellungsabsichten in allen Branchen und Regionen darauf hin, dass viele Unternehmen eine Verlängerung des Zyklus für möglich halten.

Die derzeit große Unbekannte ist das Coronavirus: Zu Dauer oder Ausmaß der Epidemie sind kaum verlässliche Prognosen möglich. Momentan sehen wir sie noch als kurzzeitigen Störfaktor für Chinas Wirtschaft. Sollte es aber bis zum zweiten Quartal nicht gelingen, die Ausbreitung des Virus wirksam zu stoppen, könnte eine Prognosekorrektur nach unten für die Weltwirtschaft unvermeidlich sein.“

Über die Analystenumfrage
Die jährliche Analystenumfrage von Fidelity International deckt sämtliche Regionen und Branchen ab. Ihr Ziel ist es, Veränderungen in den Unternehmen frühzeitig zu erkennen und neue Trends sowie Anlagechancen zu identifizieren. Die Umfrage basiert auf tiefen Einblicken der Analysten von Fidelity in die von ihnen beobachteten Branchen, ergänzt durch Informationen aus einer Vielzahl von Gesprächen mit Unternehmensentscheidern. Im Schnitt nehmen die Analysten von Fidelity pro Jahr an 15.000 Meetings mit Unternehmensvertretern teil. In den Ergebnissen dieser Umfrage spiegeln sich daher die Einschätzungen und Meinungen Tausender Vorstandsvertreter und leitender Mitarbeiter aus allen Teilen der Welt wider. Fidelity International hat im Dezember 2019 für diese Umfrage 152 seiner Analysten befragt.

https://www.green-bonds.com/
(Grafik : ESG-Themen schaffen es auf der Unternehmensagenda nach ganz oben, Quelle: Fidelity Analystenumfrage 2020)



27.03.2020

Nachhaltigkeit in Zeiten von Corona: Die Spreu vom Weizen trennen

Die Corona-Pandemie hat vielfältige Auswirkungen auf die weltweiten Wirtschafts- und Finanzmärkte und ist ein Test für viele Geschäftsmodelle. Für Nikita Singhal, Co-Head Sustainable Investing und ESG bei Lazard Asset Management, eröffnet die Situation nachhaltig orientierten Anlegern jedoch auch... [mehr]


11.03.2020

ebase Vermittler-Fokus-Umfrage: Sehr positive Einschätzung der Finanzprofis hinsichtlich nachhaltiger Anlagen bei Privatkunden

Umfrage unter Vertriebspartnern der European Bank for Financial Services GmbH (ebase®) zeigt sehr positive Einschätzung zur zukünftigen Relevanz von nachhaltigen Anlagen – mehr als 80% gehen davon aus, dass diese noch an Bedeutung gewinnen werden „Die Bedeutung von nachhaltigen Investments bei... [mehr]


09.03.2020

Storebrand erhält Vertriebszulassung in Deutschland

Norwegens größter privater Vermögensverwalter bietet nachhaltige Anlagestrategien

Storebrand Asset Management startet in Deutschland den Vertrieb seiner führenden Anlagelösungen mit dem Schwerpunkt Nachhaltigkeit und bringt zunächst drei ESG-orientierte Aktienfonds auf den Markt: Storebrand Global ESG Plus, Storebrand Global Solutions und Storebrand Global Multifactor. Diese... [mehr]


04.03.2020

DAX 50 ESG Index startet / Leitindex mit ESG-Fokus enthält Top-50-Werte des deutschen Aktienmarkts

Der deutsche Leitindex DAX® hat seit heute ein neues, nachhaltiges Familienmitglied: den DAX® 50 ESG Index. Dieser Index berücksichtigt Kriterien aus den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung, kurz ESG (aus dem Englischen für Environmental, Social, Governance) und bildet die... [mehr]


04.03.2020

Fidelity legt Anleihefonds mit reduziertem CO2-Fußabdruck auf

Anleiheanleger können auf die Transition zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft setzen

Fidelity International (Fidelity) hat den in Luxemburg domizilierten Fidelity Funds    Sustainable Reduced Carbon Bond Fund (SICAV) aufgelegt. Mit einer CO2-Konzentration, die während der letzten 800.000 Jahre* nie so hoch wie heute war, stellt der Klimawandel für Anleger und... [mehr]


04.03.2020

Green Bonds eignen sich derzeit nur als Beimischung

von Marcio da Costa, Portfolio Manager SSA & Green Bonds, BANTLEON

Trotz der rasanten Wachstumsraten steckt der EUR-Green-Bond-Markt mit einem Anteil von 3% am EUR-Anleihenmarkt noch in den Kinderschuhen. Durch die zunehmende Bedeutung des grünen Teilmarktes kommen immer mehr aktiv gemanagte und passive Green-Bond-Fonds auf den Markt. Dabei stellt sich die Frage,... [mehr]


03.03.2020

NN Investment Partners startet Corporate Green Bond Fonds

NN Investment Partners (NN IP) startet mit dem NN (L) Corporate Green Bond einen Fonds, der ausschließlich in grüne Unternehmensanleihen investiert. Der neue Fonds ergänzt den NN (L) Green Bond, der bereits seit vier Jahren erhältlich ist. Der Markt für grüne Anleihen wächst rasant und erlebt eine... [mehr]


03.03.2020

Europa-Aktien sind ein Gewinner des ESG-Booms

Mit Blick auf den Klimawandel haben europäische Technologieunternehmen im globalen Vergleich einen Vorsprung, weil sie Entwicklungen viel früher angegangen sind

„In fünf Jahren werden alle Investmentprozesse auf die Berücksichtigung von ESG-Kriterien ausgerichtet sein. Die Aspekte Umwelt, Soziales und Unternehmensführung werden dann Teil jeder herkömmlichen Due Diligence im Portfoliomanagement sein“, prognostiziert Koen Bosquet, Experte für europäische... [mehr]


03.03.2020

Aviva Investors: Erneuerbare Infrastruktur und langfristige Immobilien bieten besten relativen Wert

Investments in Infrastruktur im Bereich erneuerbare Energien und Long Income-Immobilien, sprich Immobilien mit langfristigen Mietverträgen von über 15 Jahren Laufzeit, bieten Anlegern mittel- bis langfristig die besten relativen Renditemöglichkeiten im Real Assets-Universum. Dies geht aus dem... [mehr]


02.03.2020

Legg Mason/Martin Currie: Institutionelle pochen auf ESG - auch bei Emerging-Markets-Investments

Für institutionelle Investoren wird die Integration der Faktoren Umwelt (Environment), Soziales (Social) und gute Unternehmensführung (Governance) in den Investmentprozess mehr und mehr zur Selbstverständlichkeit. „Wir sehen sehr deutlich, dass die Berücksichtigung von ESG-Kriterien bei... [mehr]


News 1 bis 10 von 156
<< Erste < zurück 1-10 11-20 21-30 31-40 41-50 51-60 61-70 vor > Letzte >>
Anzeige