PAUL Tech: Anleihegläubiger müssen zum zweiten Mal der Verlängerung der Anleihe zustimmen - Sicherheiten sind nur in Höhe von 4,947 Mio. Euro da

Sascha Müller, CEO der PAUL Tech AG, bei der Anleihegläubigerversammlung am 26.10.2026 © IIP GmbH

Am 26.10.2026 fand im Dorint Kongress­hotel Mann­heim, Friedrichsring 6, 68161 Mann­heim, die zweite Anleihe-Gläubiger­versamm­lung der PAUL Tech AG statt. Unter anderem wurde die Laufzeit der PAUL Tech-Anleihe 2020/2026 (WKN A3H2TU, ISIN DE000A3H2TU8) bis zum 01.09.2028 verlängert. 

Die 2020 begebene Anleihe musste damit bereits zum zweiten Mal verlängert werden. Die Anleihe hatte bei Emission eine Laufzeit von 5 Jahren. Doch im vergangenen Jahr mussten die Anleihegläubiger bereits einer Verlängerung der Laufzeit um ein Jahr – bis zum 1. Dezember 2026 – zustimmen. Die Gesellschaft erwartete damals in den nächsten zwölf Monaten eine deutliche Verbesserung ihrer operativen Profitabilität durch den seit Ende Q2/2025 beschleunigten Roll-out des Produkts PAUL Net Zero sowie die Durchführung einer Kapitalerhöhung. Die Emittentin ging weiter davon aus, dass diese Maßnahmen zu einer deutlichen Verbesserung ihrer Bonität führen und damit eine optimierte Ausgangslage für eine langfristige Refinanzierung der Schuldverschreibungen schaffen würde.

Zuvor hatte man versucht einen besicherten Noridc Bond zu emittieren. Pareto Securities AS, Frankfurt Branch wurde als Global Coordinator und Joint Bookrunner sowie B. Metzler seel. Sohn & Co. Aktiengesellschaft als Manager und Joint Bookrunner mandatiert. Die Roadshow begann am 17.09.2025. Die neue Anleihe sollte, wie aus Unterlagen von Pareto hervorgeht, eine Laufzeit von 4 Jahren und ein Volumen von 60-70 Mio. Euro haben. Die Anleihe sollte ausschließlich institutionellen Investoren platziert werden. 

Nachdem die Anleiheemission gescheitet war, musste die 2020 platzierte Anleihe im vergangenen Jahr dann erstmalig verlängert werden.

Die 2020 platzierte Anleihe hat ein Volumen von 35 Mio. Euro. Da die PAUL Tech AG auch Anleihen im Eigenbestand hat, waren bei der Gläubigerversammlung am 26.10.2026 Anleihen im Nominalwert von 31,429 Mio. Euro stimmberechtigt, wovon nominal 18,727 Mio. Euro bei der Gläubigerversammlung vertreten waren, also 59,59%. Die Gläubigerversammlung war daher beschlussfähig. Die Anleihe wurde mit der erforderlichen Mehrheit u.a. bis zum 01.09.2028 verlängert.

Ein größerer Investor hat deutlich gemacht, dass er sich vom CEO über den Tisch gezogen fühlt. Diesbezüglich ist wohl auch ein Zivilprozess am Landgericht Mannheim anhängig.

Interessant ist auch, dass die Anleihe im Volumen von 35 Mio. Euro eigentlich besichert ist. Laut Jahresabschluss 2025 sind die Anleiheverbindlichkeiten besichert durch globale Forderungsabtretung i. H. v. lediglich nominal 4.946.831,08 Euro. Von einer vollen Besicherung kann daher keine Rede sein. Im Rahmen der Fragerunde wurde bei der Gläubigerversammlung nochmals bestätigt, dass lediglich Sicherheiten in Höhe von 4,947 Mio. Euro zur Verfügung stehen. Der Notar hat dies zu Protokoll genommen. Der Vorstand war über meine Frage diesbezüglich nicht erfreut und hat betont, dass ich das auch im Jahresabschluss nachgelesen werden kann.

Also die Sicherheiten sind nicht da und dann ist der Vorstand noch beleidigt. Manchmal ist es am Kapitalmarkt spannend.

Die Gläubigerversammlung hat am 26.10.2026 um 14:00 Uhr begonnen und war erst um 20:34 Uhr beendet.

2020 wurde die Anleihe im Rahmen eines Private Placements bei institutionellen Investoren platziert. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat im August 2021 eine Veröffentlichung auf ihrer Webseite vorgenommen, dass der hinreichend begründete Verdacht bestünde, dass die ACTAQUA GmbH (jetzt PAUL Tech AG) in Deutschland ihre Anleihe ohne den erforderlichen Prospekt öffentlich anbieten würde.

www.fixed-income.org

 

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