„Unser Geschäftsmodell ist darauf ausgerichtet, Entwicklungswerte zu schaffen“, Markus Voigt, CEO, AREAM Group

Markus Voigt © AREAM Group

Die Die Aream Infra­struktur Finance GmbH begibt ihre zweite Unter­nehmens­anleihe. Die Mittel aus der Anleihe­emission sollen in die Ent­wicklung, den Bau und den Betrieb von Hybrid- und Stand­alone-Batterie­speichern sowie von Speichern in Kombi­nation mit Photo­voltaik und Wind investiert werden, wie Markus Voigt, CEO der AREAM Group, im Gespräch mit GREEN BONDS erläutert. Im vergangenen Jahr hat die Emittentin unter anderem einen Solarpark mit 24 MWp mit Batteriespeicher und einen weiteren Solarpark mit 68 MWp mit Batteriespeicher erworben. Bei beiden Projekten konnten die Emittentin durch konkrete Entwicklungsschritte den Wert bereits erhöhen, betont Voigt.

GREEN BONDS: Wie sehen Sie die politischen Rahmenbedingungen für Erneuerbare Energien aktuell?

Voigt: Die Rahmenbedingungen sind aus unserer Sicht grundsätzlich positiv, zugleich aber anspruchsvoll. Der Ausbau von Solar- und Windenergie bleibt von zentraler Bedeutung, um heimische Stromerzeugung, Versorgungssicherheit und Resilienz zu stärken. Gleichzeitig verändert sich der Markt deutlich: Nicht mehr allein die installierte Leistung zählt, sondern zunehmend die Fähigkeit, Strom zur richtigen Zeit am richtigen Ort bereitzustellen. Netzausbau, Speicher, flexible Verbraucher und neue Vermarktungsmodelle gewinnen daher an Bedeutung. Für Projektentwickler erhöht das zwar die Komplexität, eröffnet aber zugleich zusätzliche Wertschöpfungspotenziale. Gerade in Deutschland sehen wir aktuell ein großes Gestaltungsfenster, weil sich die Preisunterschiede am Strommarkt verstärken und Speicher wirtschaftlich attraktiver werden. Deshalb denken wir Projekte konsequent vom Netzverknüpfungspunkt und vom künftigen Strommarkt her. Unser Ziel ist es, vorhandene Netzkapazitäten möglichst wertschöpfend zu nutzen und Projekte so zu konzipieren, dass sie flexibel auf Marktbedingungen reagieren können. Die regulatorischen Veränderungen sehen wir daher weniger als Hürde, sondern vor allem als Impuls für neue, attraktive Wertschöpfungsstrategien – und damit als Chance für die langfristige Entwicklung unseres Unternehmens.

GREEN BONDS: Wie sind die Eckdaten des Aream Green Bond 2026/31?

Voigt: Der Aream Green Bond 2026/31 hat ein Emissionsvolumen von bis zu 10 Mio. Euro und bietet einen festen Kupon von 7,25% p.a., der halbjährlich ausgezahlt wird. Die Anleihe kann ab einer Stückelung von 1.000 Euro zum Ausgabepreis von 100% direkt über unsere Webseite gezeichnet werden. Es handelt sich um eine nicht nachrangige und unbesicherte Unternehmensanleihe. Gleichzeitig erfüllt sie die Anforderungen an einen Green Bond und wurde durch eine Second Party Opinion von EthiFinance entsprechend bestätigt. Für zusätzlichen Komfort und Transparenz sorgen die in den Anleihebedingungen verankerten Covenants. Dazu zählen Regelungen zum Drittverzug, zur Veräußerung von Vermögensgegenständen, zur Mindesteinlagenquote sowie eine Negativverpflichtung, Transparenzverpflichtung und Positivverpflichtung. Die Anleihe soll zudem im Frühjahr 2027 in den Freiverkehr der Frankfurter Wertpapierbörse einbezogen werden. Damit verbinden wir eine attraktive feste Verzinsung mit einer klar definierten Mittelverwendung für Projekte im Bereich erneuerbarer Energien und Energieinfrastruktur.

GREEN BONDS: Wie wollen Sie die Mittel aus der Anleiheemission verwenden?

Voigt: Der Emissionserlös wird gezielt für erneuerbare Energielösungen in Deutschland, Italien und Spanien eingesetzt. Rund 90% der Mittel fließen in klar definierte grüne Verwendungszwecke. Im Mittelpunkt stehen die Entwicklung, der Bau und der Betrieb von Hybrid- und Stand-alone-Batteriespeichern sowie von Speichern in Kombination mit Photovoltaik und Wind. Hinzu kommen EEG-Innovationsprojekte, gewerbliche Aufdachanlagen, Bioenergieanlagen und grüne Energieinfrastruktur, etwa Umspannwerke. Rund zehn% werden als Liquiditätsreserve vorgehalten. Für Anleger bedeutet das: Der überwiegende Teil des eingesetzten Kapitals ist klar zweckgebunden und soll unmittelbar in die Entwicklung der erneuerbaren Energien und einer leistungsfähigen Energieinfrastruktur fließen. Unser Green Bond Framework schafft dafür einen transparenten Rahmen und stellt sicher, dass die Mittel entsprechend den definierten grünen Kriterien eingesetzt werden.

GREEN BONDS: In welchem Stadium sind die Projekte?

Voigt: Wir diversifizieren unsere Investitionen bewusst über verschiedene Entwicklungsstadien und Projekte. Aktuell verfügt die Emittentin über zwei Projektrechte mit insgesamt 66,2 MWp, die vollständig in ihrem Eigentum stehen. Das Projekt in Niedersachsen mit 21,2 MWp soll nach derzeitiger Planung im zweiten Quartal 2027 baureif sein, das Projekt in Brandenburg mit 45 MWp voraussichtlich im zweiten Quartal 2028. Hinzu kommt eine strategische Entwicklungskooperation in Deutschland, die der AREAM Advisory GmbH den Zugriff auf 14 PV-Projekte mit insgesamt 153,7 MWp sichert. Darüber hinaus bestehen weitere Projektpotenziale von rund 58 MWp Solarleistung und rund 97 MW Netzanschlusskapazität. 

Alle Projekte werden mit Grünstromspeichern in Co-Location geplant. Unser Entwicklungsansatz setzt früh am Netzverknüpfungspunkt an: Wir sichern Netzkapazitäten, optimieren PV, Speicher und Vermarktung gemeinsam und entwickeln die Projekte gezielt bis zur Baureife. Damit schaffen wir Wert nicht allein durch zusätzliche Megawatt, sondern vor allem durch das Erreichen konkreter Entwicklungsmeilensteine. Dadurch wird die Planungs- und Vermarktungssicherheit der Projekte Schritt für Schritt erhöht und damit die Grundlage für eine spätere Monetarisierung geschaffen.

GREEN BONDS: Welche Risiken sehen Sie für Investoren?

Voigt: Zu nennen sind insbesondere branchentypische Entwicklungs- und Genehmigungsrisiken: Projekte können sich verzögern, Meilensteine später erreicht werden oder sich Rahmenbedingungen verändern. Hinzu kommen regulatorische Risiken, etwa durch Änderungen des EEG, des Strommarktdesigns oder der Regeln für Netzanschlüsse und Speicher. Auch Baukosten, Finanzierungskonditionen, Strompreise und Vermarktungsmöglichkeiten können sich anders entwickeln als angenommen. Relevant ist zudem das Marktpreisrisiko bei der späteren Veräußerung.

Für die Rückzahlung der Anleihe ist entscheidend, dass aus unserer Projektentwicklung werthaltige Assets entstehen, die erfolgreich monetarisiert werden. Wir begegnen diesen Risiken mit einer diversifizierten Pipeline, langjähriger Entwicklungserfahrung und einer konsequenten Projektsteuerung. Dabei setzen wir früh am Netzverknüpfungspunkt an und betrachten Netzkapazität, Photovoltaik, Speicher und Vermarktung als zusammenhängende Werttreiber. Die Kombination von PV und Speichern eröffnet zusätzliche Vermarktungsoptionen und kann die Wertschöpfung erhöhen. Unser Ziel ist es, Projektwerte durch definierte Entwicklungsmeilensteine gezielt zu steigern und damit die Grundlage für erfolgreiche Projektverkäufe und die Rückführung des eingesetzten Kapitals zu schaffen.

GREEN BONDS: Sind 7,25% für eine Projektentwicklungsanleihe, die nicht besichert ist, risikoadäquat?

Voigt: Ob 7,25% p.a. risikoadäquat sind, lässt sich aus unserer Sicht nicht seriös anhand eines isolierten Zinsvergleichs beurteilen. Entscheidend ist das Zusammenspiel von Kupon, Laufzeit, Geschäftsmodell und Risiko. Unser Green Bond ist eine fünfjährige, nicht nachrangige und unbesicherte Unternehmensanleihe. Gleichzeitig ist unser Geschäftsmodell projektentwicklungsorientiert: Wir schaffen Wert, indem wir Erneuerbare-Energien-Projekte gezielt weiterentwickeln und anschließend vermarkten. Das bringt naturgemäß höhere Risiken mit sich als ein reines Bestandsmodell, eröffnet aber zugleich zusätzliche Wertsteigerungspotenziale. Die 7,25% p.a. sehen wir daher als attraktive und faire Risikoprämie für Anleger, die an der Energiewende partizipieren und die damit verbundenen Risiken eines erfahrenen Projektentwicklers bewusst eingehen möchten. Für die operative Umsetzung spricht die Erfahrung der AREAM Group aus mehr als 20 Jahren im Markt, rund 1.200 MW entwickelter Solar- und Windkapazität des Teams seit 2009 sowie ein Transaktionsvolumen von über 2,5 Mrd. Euro. Ergänzend bieten Covenants und klare Vorgaben zur Mittelverwendung einen definierten Rahmen für die Anleihegläubiger.

GREEN BONDS: Die Aream Infrastruktur Finance GmbH hat im letzten Jahr bereits eine Anleihe begeben. Wie wurde das Kapital aus der Anleiheemission verwendet und konnte der Wert der Projekte bereits gesteigert werden?

Voigt: Der 2025 begebene Green Bond war ein wichtiger Baustein, um die Projektentwicklung der Aream Infrastruktur Finance GmbH zu beschleunigen und weitere wichtige Investitionen zu finanzieren. Im vergangenen Jahr hat die Emittentin unter anderem einen Solarpark mit 24 MWp mit Batteriespeicher und einen weiteren Solarpark mit 68 MWp mit Batteriespeicher erworben. Bei beiden Projekten konnten wir durch konkrete Entwicklungsschritte den Wert bereits erhöhen. In Niedersachsen haben wir einen positiven vorläufigen Bauentscheid erreicht und rund 150.000 von 175.000 Quadratmetern gesichert. In Brandenburg sind die Flächen vollständig reserviert und die Zulässigkeit eines Batteriespeichers wurde bestätigt. Damit haben wir wesentliche Voraussetzungen für die weitere Wertsteigerung bis zur Baureife geschaffen.

Darüber hinaus haben wir in die bereits erwähnte Entwicklungskooperation investiert. Die 14 PV-Projekte mit insgesamt 153,7 MWp sollen schrittweise bis zur Baureife entwickelt und nach Möglichkeit durch Batteriespeicher ergänzt werden. Damit erschließen wir zusätzliches Entwicklungspotenzial. Zudem sind wir eine strategische Beteiligung an einem deutschen Energieversorger eingegangen. Sie eröffnet uns den Zugang zu attraktiven PPAs und stärkt damit die Vermarktungsperspektiven und Wirtschaftlichkeit unserer bestehenden und künftigen Projekte. So setzen wir die Anleihemittel gezielt ein, um Projektwerte zu entwickeln und zusätzliche Wertschöpfungspotenziale entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu erschließen.

GREEN BONDS: Werden Sie die Projekte vor dem Laufzeitende der Anleihe verkaufen, um die Anleihe zurückzuzahlen?

Voigt: Unser Geschäftsmodell ist darauf ausgerichtet, Entwicklungswerte zu schaffen und diese zu einem wirtschaftlich attraktiven Zeitpunkt zu monetarisieren. Ein Verkauf von Projekten vor dem Laufzeitende der Anleihe ist daher eine mögliche und im Projektgeschäft typische Rückzahlungsquelle, aber nicht das alleinige Szenario. Entscheidend ist für uns, Projekte nicht nach einem starren Zeitplan zu veräußern, sondern dann, wenn ein attraktiver Entwicklungsstand und ein entsprechendes Marktumfeld eine wirtschaftlich sinnvolle Transaktion ermöglichen. Die Laufzeit der Anleihe bis November 2031 gibt uns dafür den notwendigen zeitlichen Spielraum. So können wir unsere Projekte gezielt weiterentwickeln, Wertpotenziale heben und den optimalen Zeitpunkt für eine Monetarisierung abwarten. Gleichzeitig schaffen wir damit genug Flexibilität, um auf Veränderungen im Marktumfeld zu reagieren und die Rückzahlung der Anleihe aus der erfolgreichen Entwicklung und Verwertung unserer Projekte zu ermöglichen.

GREEN BONDS: Das ist die dritte Anleiheemission der Aream-Gruppe und die zweite Anleiheemission der Aream Infrastruktur Finance GmbH. Welche weiteren Pläne haben Sie am Kapitalmarkt?

Voigt: Wir haben uns als verlässlicher Emittent im Segment der grünen KMU-Anleihen etabliert. Der Kapitalmarkt ist für uns eine bewährte und attraktive Ergänzung zu Projektfinanzierungen, Eigenkapital und strategischen Partnerschaften und damit ein wichtiger Baustein für unser geplantes Wachstum. In den kommenden Jahren wollen wir insgesamt rund 2,5 Gigawatt an Solar- und Windkapazitäten – mit und ohne Batteriespeicher – realisieren oder erwerben. Den Kapitalmarkt wollen wir dafür auch künftig mit Augenmaß nutzen, abhängig von dem konkreten Kapitalbedarf, dem Entwicklungsstand unserer Projekte und den jeweiligen Marktbedingungen. Entscheidend ist für uns, das Vertrauen der Anleger langfristig zu stärken – durch Transparenz, verlässliche Zinszahlungen und Tilgungen sowie die konsequente Einhaltung unserer Nachhaltigkeitskriterien. Unser Anspruch ist, Kapitalmarktfinanzierungen gezielt dort einzusetzen, wo sie die Entwicklung unseres Projektportfolios und damit den nachhaltigen Unternehmenswert voranbringen. Der Kapitalmarkt bleibt damit ein wichtiger Baustein unserer langfristigen Wachstumsstrategie.

Das Interview führte Christian Schiffmacher, www.green-bonds.com / www.fixed-income.org

Eckdaten des Aream Green Bonds 2026/2031

EmittentinAream Infrastruktur Finance GmbH
Statusnicht besichert, nicht nachrangig
NachhaltigkeitGreen Bond (klassifiziert gemäß SPO von EthiFinance)
Kupon7,25% p.a.
Zeichnungsfrist24.08.2026-21.08.2027 über www.aream.de/ir
Valuta16.11.2026
Laufzeitbis 16.11.2031
Emissionsvolumenbis zu 10 Mio. Euro
ISIN / WKNDE000A5GS5B9 / A5GS5B
Stückelung1.000 Euro
Listingvoraussichtlich ab 25.03.2027 im Freiverkehr der Frankfurter Wertpapierbörse
Anwendbares RechtDeutsches Recht
Financial AdvisorLewisfield Deutschland GmbH
Internet / Wertpapierprospektwww.aream.de/ir 
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