„Wir haben mit dem Aufbau des IPP ein stabiles Fundament und die stabileren Erträge“, Heiko Wuttke, CEO, PNE AG

Heiko Wuttke, CEO © PNE AG

Die PNE AG hat mit dem Aufbau des eigenen Betriebs­port­folios ein stabiles Fundament und die stabileren Erträge, wie CEO Heiko Wuttke im Interview erläutert. Diesen Weg möchte man weiter gehen, das IPP-Portfolio soll perspek­tivisch weiter deutlich wachsen. 2021 machte die Projekt­ent­wicklung noch 75 % vom Ergebnis aus und 25 % die Strom­erzeugung. Das Verhältnis hat sich klar umgedreht. 2025 hat man schon 60 % mit der Strom­erzeugung gemacht. PNE möchte sich, wie Wuttke betont, weiter auf den Eigen­bestand konzen­trieren und diesen Wert erhöhen.

GREEN BONDS: Wie wollen Sie die Mittel aus der Anleiheemission verwenden?

Wuttke: Wir haben eine Anleihe, die im Juni nächsten Jahres ausläuft. Mit der vorzeitigen Refinanzierung möchten wir die Finanzierungsstruktur – vor allem die Fälligkeitenstruktur und die Verfügbarkeit des Emissionserlöses bis zur Fälligkeit 2031 – verbessern. Damit können wir auch unser operatives Geschäft vorantreiben – z. B. die Projektentwicklung, was ein wesentlicher Baustein für uns ist oder für die Zwischenfinanzierungen bei der Projektrealisierung – und auch für die Weiterentwicklung des Geschäfts, also auch für Wachstumsthemen. Die Anleihe ist für uns ein Baustein in der gesamten Finanzierungsstruktur. Es ist bereits unsere vierte Anleihe.

GREEN BONDS: Sie haben eine Cash-Position, und könnten die Anleihe 2022/27 ohne die Emission einer neuen Anleihe zurückzahlen.

Wuttke: Das ist so, wir hätten dann aber einen geringeren Spielraum. Projektentwicklung ist ein langfristiges Geschäft. Den Spielraum wollen wir nutzen und das haben wir in der Vergangenheit sinnvoll getan. Wir sind in unserem Kernmarkt Deutschland aktiv, aber auch in Polen, wo wir das Projektentwicklungsportfolio sowohl im Bereich Onshore-Wind aber auch Photovoltaik aufbauen. Das ist erstmal eine Investition mit Projektentwicklungskosten. Die Projekte können wir dann auch werthaltig veräußern, das geht in Polen auch los in diesem Jahr. Unser Spielraum wäre deutlich geringer, wenn wir die Anleihe 2022/27 aus der Cash-Position zurückzahlen würden. Wir wollen die Projektenwicklung weiter so bespielen, wie wir das bisher bei Onshore-Wind und Photovoltaik gemacht haben und mit Wachstum in einem weiteren Technologiefeld, dem Bereich Battery Energy Storage System (BESS).

Wir fokussieren uns bei der Technologie. Wir machen Onshore-Wind, Photovoltaik und Batteriespeicher. Andere machen noch Wasserstoff. Wir konzentrieren uns auf das, was entscheidend ist, um systemdienlich zu werden, das sind Batteriespeicher. Auch die Kombination mit Batteriespeichern ist entscheidend, ob man ein Projekt umsetzen kann oder nicht.

GREEN BONDS: Sie möchten Projekte verkaufen und auch die Eigenkapitalquote erhöhen. Wie möchten Sie das erreichen? Ist eine Kapitalerhöhung für Sie ein Thema?

Wuttke: Wir haben sowohl Projekte, die wir im Eigenbestand selbst betreiben, als auch Projekte im Bau. Die ordnen wir den stillen Reserven zu. Wenn ich die stillen Reserven berücksichtige, dann komme ich auf eine Eigenkapitalquote von 23 %. 

GREEN BONDS: Die Marktpreise, die Sie ansetzen, sind im jetzigen Marktumfeld belastbar?

Wuttke: Ja, die sind belastbar. Alles, was wir im IPP betreiben, ist in Deutschland im EEG mit einem klaren Strompreis. Man hat auch die Möglichkeit eines Opt-out, wenn man am Markt zu höheren Preisen verkaufen kann. Das ist natürlich ebenfalls belastbar. Die einzige schwankende Komponente ist die Natur – hat man ausreichend Wind bzw. Sonne. Die Projekte sind Non-Recourse finanziert und haben eine tiefe Due Diligence durchlaufen mit verschiedenen Gutachten. Wir haben zudem Projekte im Bau, die alle einen Zuschlag haben. D. h. die haben alle einen Auktionserlös und Genehmigungen. Da ist nur noch das Baurisiko, ansonsten sind die genauso werthaltig, wie sie kalkuliert wurden. 

GREEN BONDS: Das Baurisiko dürfte man aber auch gut im Griff haben.

Wuttke: Genau. Es ist das einzige Risiko, das verbleiben würde, aber es ist ein gut planbares Risiko.

GREEN BONDS: Und wie wollen Sie die Eigenkapitalquote erhöhen?

Wuttke: Die Covenants der Anleihe beziehen sich auf die Eigenkapitalquote mit stillen Reserven. Wir wollen die Eigenkapitalquote erhöhen, indem wir perspektivisch IPP aufbauen, aber auch indem wir Projekte verkaufen. Wenn wir ein Projekt ins IPP übernehmen, muss der EK-Anteil geringer sein als die Projektmarge, die man bei einem Verkauf erzielen kann. Das geht aber nur sukzessive. Das ist ein Weg, um die Eigenkapitalquote zu erhöhen. Sie haben auch einen anderen Weg angesprochen, das wäre eine mögliche Kapitalerhöhung. Wir werden uns auch auf die Suche begeben und prüfen, ob es im Aktionärskreis einen Zuwachs oder einen Wechsel geben kann und auf diesem Weg auch zusätzliches Kapital generiert werden kann. Das ist aber alles noch offen.

GREEN BONDS: Und welche Kennzahlen streben Sie bei der Verschuldung an?

Wuttke: Da möchte ich differenzieren. Wir haben als Projektentwickler und Betreiber bei der Fremdfinanzierung einen großen Anteil an Projektfinanzierung. Dabei dient das Projekt als Besicherung. Daher haben wir immer einen höheren Verschuldungsgrad, als wenn man diesen Part gar nicht betrachten müsste. Natürlich wollen wir das Eigenkapital erhöhen und den Verschuldungsgrad verringern. 

GREEN BONDS: Es gab immer mal wieder Übernahmespekulationen. Können Sie hierzu etwas sagen?

Wuttke: Seit ich CEO bin, gab es immer wieder Gerüchte. Der Aktionärskreis ist auch bekannt, wir haben einen Ankerinvestor und der Free Float ist niedrig. Da ist es normal, dass es solche Gerüchte oder Spekulationen gibt. Wir bereiten uns darauf vor, dass uns andere bewerten und ggf. mit unseren Aktionären in Austausch treten. Aber an diesem Punkt sind wir noch nicht, auch wenn erste Schritte eingeleitet wurden, die der Suche nach neuen Investoren dienen sollen. 

GREEN BONDS: Die Strompreise sind aktuell nicht sehr attraktiv für erneuerbare Energien. Welche Auswirkungen hat dies auf Ihre Schuldendienstfähigkeit?

Wuttke: Zweierlei: Die Schuldendienstfähigkeit ist in den Projekten davon nicht berührt. Denn die Projekte sind mit den Zuschlagspreisen aus dem EEG kalkuliert und diese sind über 20 Jahre fix. Zudem hat man das Upside, dass man den Strom am Markt ggf. zu höheren Preisen verkaufen kann. Wenn man niedrige Strompreise hat, dann ist die Opt-out-Möglichkeit vielleicht nicht mehr so groß, wie sie in der Vergangenheit war.

Für neue Projekte muss man einen Strompreis bieten, und dieser Preis geht aufgrund eines hohen Wettbewerbs auch weiter runter. D. h., dass man auch nur die besten Projekte ins Rennen schicken kann, um mit diesem Preisniveau mithalten zu können. Das können wir. 2025 gab es Ausschreibungen, bei denen man einen Strompreis bieten muss. Bei Ausschreibungen war mehr Volumen im Angebot, als zugeschlagen werden konnte. Wir als PNE haben bei 100 % unserer Projekte, die wir ins Verfahren gegeben haben, auch gewonnen. Wir haben zu allen Projekten einen Zuschlag bekommen, obwohl die Preise nach unten gegangen sind. Das ist für uns ein Beleg dafür, dass wir sehr gute Projekte an den richtigen Orten entwickeln und in der Lage sind, die Projekte zu den Preisen mit einer guten Rendite fortzuführen oder zu verkaufen.

GREEN BONDS: Die Politik verwirrt im Moment mehr, oder?

Wuttke: Es ist schade, wenn Sie das auch so wahrnehmen. Wir sind mit dem Bundesverband der deutschen Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), bei dem ich auch im Vorstand bin, nahe dran. Bei einigen Themen muss man sich fragen, ob es jetzt wieder eine rückwärtsgewandte Politik ist oder nicht, gerade was die fossilen Energieträger angeht. Ich würde es anders formulieren. Die Politik hat durchaus erkannt, dass wir irgendwie eine Synchronisation zwischen dem starken Ausbau der Erneuerbaren und dem langsamen Ausbau der Netze hinbekommen müssen. Das Thema wird aber schwarz/weiß behandelt. Wenn die Erneuerbaren so lange warten müssen, bis die Netze so weit sind, dann dauert das ewig. Es braucht Anreize, dass die Netze schneller ausgebaut werden. Und das andere ist, dass wir auf mehr Flexibilität setzen, die gar nichts mit Gaskraftwerken zu tun hat, sondern mit Batteriespeichern. Damit kann man dem Netz viel mehr dienen und ich bin zuversichtlich, dass man darauf eingeht. Das ist noch in der Diskussion, aber ich gebe Ihnen Recht, es wird die Stimmungslage vermittelt, als ob das Ganze schwierig ist. Es gibt ein paar Herausforderungen politischer Art, die wir immer gesehen haben. Ich bin seit 30 Jahren in dem Bereich tätig. Es ging nie nur in eine Richtung. Wir können auch die Systemdienlichkeit liefern, man muss uns nur von den Rahmenbedingungen lassen. Nur weil Erneuerbare so erfolgreich waren, kann man nicht sagen, ihr müsst zahlen oder gestoppt werden. Bei der Energiekonferenz der Länder haben sich kürzlich alle 16 Bundesländer gegen die Pläne des BMWE ausgesprochen. Ich bin also zuversichtlich, dass es eine Lösung geben wird. 

GREEN BONDS: Einige Projektentwickler haben derzeit Probleme. Hat das Auswirkungen auf Sie? Sehen Sie Chancen, Projekte im Frühstadium zu attraktiven Preisen zu erwerben?

Wuttke: Es hat sicher Auswirkungen. Es gibt sicher bei einigen den Druck, nicht nur einzelne Projekte, sondern ganze Pipelines zu verkaufen und zwar in einem frühen Entwicklungsstadium. Das deutet darauf hin, dass sich die Branche stark konsolidieren wird. Einige werden auch hinten rüber fallen, hierzu werden wir nicht gehören. Wir gehören zu denen, die in der Lage sind, das eine oder andere auch einzusammeln. Das machen wir, aber auch mit Augenmaß. Wir müssen in erster Linie auf uns schauen, auf das organische Wachstum. Aber es können sich auch Chancen ergeben. Es gibt Projekte, wo auch in der Nachbarschaft ein Windpark geplant wird. Wenn in der Nähe ein Windpark realisiert wird, dann macht das für uns Sinn, denn dann hat man Synergien, z. B. beim Netzanschluss. Solche Projekte interessieren uns viel mehr als andere – Stand-alone – bei denen man ganz andere Kapitalkosten hat. 

GREEN BONDS: Werden Sie in diesem und dem nächsten Jahr Cashflow-positiv sein?

Wuttke: In diesem Jahr müssen wir uns anstrengen. Wir werden in diesem Jahr Verkäufe von Projekten haben und die Projektmarge wird stark darauf einzahlen. Wir werden auch vereinzelt Projekte aus dem Bestand verkaufen, denn wir wollen attraktiv sein für Investoren. Dies erhöht den Cashflow. Wir werden dann auch in der Lage sein, in den Ausbau zu investieren.  Spätestens im nächsten Jahr wollen wir Cashflow-positiv sein.

GREEN BONDS: Sie wollen die Eigenkapitalquote erhöhen, vielleicht können Sie Projekte zukaufen, vielleicht gibt es auch Veränderungen im Aktionärskreis. Wo sehen Sie PNE in fünf Jahren, also am Laufzeitende der Anleihe?

Wuttke: Wir haben mit dem Aufbau des IPP ein stabiles Fundament und die stabileren Erträge durch das eigene Betriebsportfolio. Diesen Weg wollen wir auch weiter gehen. In fünf Jahren soll das IPP-Portfolio deutlich weitergewachsen sein. 

2021 machte die Projektentwicklung noch 75% von unserem Ergebnis aus und 25% die Stromerzeugung. Das Verhältnis hat sich klar umgedreht. Wir haben 2025 schon 60% mit der Stromerzeugung gemacht. Wir wollen uns weiter auf den Eigenbestand konzentrieren und diesen Wert erhöhen. 

Dabei haben wir auch die Kosten mit unserem Transformations- und Kostenreduktionsprogramm Focus & Deliver im Blick. Wenn wir aus einigen Märkten und Technologien herausgehen, dann brauchen wir auch weniger Leute, das liegt in der Natur der Sache. Auch beim Overhead werden wir einsparen, um schlank und agil agieren zu können.

Das Interview führte Christian Schiffmacher, www.green-bonds.com

Eckdaten der neuen PNE-Anleihe

EmittentinPNE AG
Formatunbesichert
Kupon6,750%-7,750%, wird am 11.06. festgelegt
Zinszahlungjährlich
Umtauschfrist22.05.-09.06.2026
Umtauschprämie12,50 Euro (1,25% einmalig)
Zeichnungsfrist26.05.-11.06.2026 (12 Uhr)
Valuta11.06.2026
Laufzeit11.06.2031 (5 Jahre)
Stückelung1.000 Euro
Volumenbis zu 65 Mio. Euro
ISIN / WKNDE000A460J75 / 
Sole Lead Manager und Sole BookrunnerIKB Deutsche Industriebank AG
ListingOpen Market
Internet / Wertpapierprospektwww.pnegroup.com
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